Zwei ehemalige Fränkische-Mitarbeiter haben ihr eigenes Unternehmen gegründet

Am Anfang waren die Fränkischen Rohrwerke; 1906 in Schweinfurt gegründet, feiern sie im kommenden Jahr 100-jähriges Bestehen am Standort Königsberg. Heute verfügt der Landkreis Haßberge mit „Fränkische“, Maincor, Schlemmer, Unicor und Uponor über die weltweit höchste Konzentration international erfolgreicher Hersteller von Wellrohren und deren Produktionsanlagen. Und nun tritt ein weiterer, wenngleich noch kleiner, Mitspieler auf die Bühne. Reinhard Gruber (37) und Joachim Schuster (41) haben Anfang April die G&S Plast GmbH & Co. KG gegründet, Sitz ihrer Firma ist in Haßfurt. „Unser Konzept ist tragfähig – und wir sind schon kräftig auf dem Markt aktiv“, erklärt „Geschäftsführer Vertrieb“ Gruber, „Geschäftsführer Technik“ Schuster ergänzt, dass das junge Unternehmen bereits namhafte Kunden der kunststoffverarbeitenden Industrie gewinnen konnte, allen voran den Maschinenbauer Drossbach (Rain am Lech), der zu den Weltmarktführern bei den Produktionsanlagen für Kunststoffrohre zählt.

Dass ihre Geschäfte so gut angelaufen sind, liegt an der jahrelangen Berufserfahrung der beiden Kompagnons, mithin daran, dass sie sich in der Branche einen Namen gemacht und Kontakte in aller Herren Länder geknüpft haben. Kaufmann Reinhard Gruber arbeitete 17 Jahre lang bei den Fränkischen Rohrwerken im Vertrieb von Anlagen und Maschinenbauteilen, zuletzt war er als Vertriebsleiter in aller Welt unterwegs. Maschinenbauingenieur Schuster baute 16 Jahre lang für „Fränkische“ Corrugatoren – so heißen die Maschinen, die gewellte Kunststoffrohre herstellen, zuletzt war er Produktionsleiter im Maschinenbau. Als die Fränkischen Rohrwerke im vergangenen Jahr die Vertriebsrechte für ihre Maschinen an Unicor übertrugen, mussten sich Gruber und Schuster neu orientieren. Sie entschieden sich dafür, ihr eigenes Unternehmen aus der Taufe zu heben – in der „Wellrohrlandschaft“ der Region nichts Ungewöhnliches: Unicor-Gründer Horst Rahn etwa war ursprünglich bei der Fränkischen beschäftigt, Maincor-Chef Dieter Pfister jahrelang bei Unicor und Uponor in Diensten. „Eigentlich war das jetzt genau der richtige Zeitpunkt“, sagen Schuster und Gruber über ihren Schritt in die Selbstständigkeit: nach der Rezession sei nun ein weltweiter Wirtschaftsaufschwung spürbar, und der Weltmarkt für ihre Produkte boome: Rund um den Globus sind Kunststoffrohre auf dem Vormarsch, ersetzen in erdbebengefährdeten Gebieten Betonröhren, schützen Telekommunikationsleitungen, lösen – oft aufgrund gesetzlicher Vorgaben wie soeben in Polen geschehen – metallene Be- und Entwässerungsleitungen ab. Wellrohre, deren Durchmesser wenige Millimeter bis über zwei Meter haben können, finden überall Einsatz, ob in Heizungen, in der Medizin- oder der Fahrzeugtechnik.

Und dann ist da heuer noch, im Oktober, die alle drei Jahre stattfindende Weltleitmesse für Kunststoffmaschinen, die K`10 in Düsseldorf, eine ideale Plattform für die beiden Haßfurter, sich zu präsentieren. Schuster und Gruber werden hier allerdings auf dem Stand von Gercotec (German Corrugator Technology) vertreten sein, ein Unternehmen, mit dem sie eine Vertriebskooperation für komplette Well- und Glattrohrlinien eingegangen sind.

Geschäftsführung G & S Plast

Maschinenbauingenieur Joachim Schuster und Kaufmann Reinhard Gruber, beide aus Haßfurt, wollen es wissen:
Sie steigen mit ihrer G&S Plast GmbH & Co. KG ins internationale Geschäft mit Wellrohren und Maschinen zur
Wellrohrherstellung ein.

Einstweilen experimentieren die „Jungunternehmer“ mit zahlreichen weiteren Geschäftsfeldern, darunter die Fertigung von Spezialbauteilen für Corrugatoren, etwa Formbacken, in denen die Rohre ihre gewellte Form erhalten. Sie handeln mit Gebrauchtmaschinen und versprechen sich großen Erfolg vom Vertrieb von „Elektroschweißfittingen“. Das sind neuartige Kupplungsstücke, mit denen sich Kunststoffrohre gasdicht miteinander verschweißen und somit viel besser verbinden lassen, als dies mit Rohrschellen möglich ist.

Noch produziert G&S Plast nicht selbst, sondern ist auf Lieferanten angewiesen; doch das soll sich auf Dauer ändern. Und wenn es sich ändert, werden die beiden Haßfurter weitere Mitarbeiter brauchen, es werden neue Arbeitsplätze entstehen. Einen dritten Mann stellen Reinhard Gruber und Joachim Schuster in Kürze ein, einen Iraner, der in Deutschland Kunststofftechnik studiert hat – und der über die benötigten kulturellen und Sprachkenntnisse verfügt: denn ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist der Nahe und Mittlere Osten. Im Irak, im Iran und in Saudi Arabien hat G&S Plast schon Vertretungen vor Ort. „Wir befinden uns in den Endverhandlungen eines Millionenprojektes“, verrät Joachim Schuster. Da könnte es also sein, dass der Branchenneuling die anvisierten 1,5 Millionen Euro Umsatz im ersten Geschäftsjahr ganz schnell um ein Vielfaches übertrifft, was dann wohl perfekt in die „geradlinige Unternehmens- und Wachstumsphilosophie“ passen würde.

 

Artikel von „Haßfurter Tagblatt„,  24.04.2010

2017-10-14T23:55:10+00:00